Donnerstag, 23. April 2009

Great Ocean Road - Extended Version

Liebe Blogleser,

wie in dem letzten Eintrag versprochen, hier nun ein paar ausführlichere Worte über unseren Road Trip in den Osterferien vor einer Woche.


Seit längerem hatte ich mit meinem Mitstudent Frode aus Oslo geplant in den Osterferien einen Van zu mieten, um eine nette Reise an die Great Ocean Road zu unternehmen. John und Stef, zwei Kumpels aus Holland, hatten sich dazu entschlossen auch mitzukommen. Leider stellte sich heraus, dass der Trip schwierger zu plannen war als angenommen. Auf dem ganzen Kontinent waren sämtliche Vans und Autos bereits vermietet, da scheinbar das ganze Land eine Woche Urlaub hatte. Sogar große Unternehmen wie Europcar und Budget hatten keine Autos mehr zu vermieten und stellten in der Woche vor dem Easterbreak sogar Ihre Telefonhotline ein, da sie scheinbar den Überblick verloren hatten.


Nach gefühlten 1000 Anrufen bei diversen Unternehmen, stellte ich mich darauf ein mir einfach mein Fahrrad, welches ich vor kurzem bei meinen Verwandten ausgeliehen habe, zu schnappen und die Gegend um Sydney zu erkunden.


Am Donnerstag, also einen Tag bevor wir los wollten, unternahmen wir einen letzten Versuch und riefen bei Avis an. Komischerweise war die Antwort auf unsere Frage nicht: "Wir haben keine Autos mehr! klick klick (Aufgelegt)", sondern: "Klar! Welches Auto möchten Sie?". Daraufhin buchten wir das billigste Auto, einen Hyundai, und nahmen aufgrund des Linksverkehrs vorsichtshalber die teuerste Versicherung. Insgesamt mussten wir, aufgrund der "Gerne-können-sie-den-Neuwagen-zu-Schrott-fahren"-Versicherung und der One-Way-Fee nach Melbourne ca. 400€ für acht Tage bezahlen, was zu viert und mit den billigen Spritpreisen hier nicht all zu viel ist.


Eine Stunde später trafen wir uns im Dutchy-/Holländer-Haus auf ein BBQ und um den Trip zu planen. Ehrlich gesagt haben wir die meiste Zeit mit Essen und Bier trinken verbracht. - Kurzerhand haben wir uns gegen 23 Uhr entschlossen doch schon am nächsten Tag los zu fahren, organisierten ein Zelt und stürmten kurz vor Ladenschluss zu Woolworth, um noch ein paar Rohlinge für die Road-Trip-Hits-CDs zu kaufen.


Gegen 10 Uhr traf ich mich dann am darauf folgenden Tag mit Stef und John am Bondi Junction Bahnhof, um zum Flughafen zu fahren. Am Flughafen angekommen scherzte John, dass wir vielleicht diesen schicken blauen Holden (Opel) bekommen würden. Kurze Zeit später saßen wir in unserem nagelneuen und zudem schneeweißen Holden Epica. Also doch kein Hyundai! :-D Der Wagen hatte bei Übergabe gerade mal 6000 km "runter" und verbrauchte trotz vier Personen samt Gepäck und Klimaanlage auf C -10° gerade mal 9 Liter auf 100km. Bei den hiesiegen Spritpreisen also gerade mal € 1,35 pro 100 km pro Person. So lässt sich's Reisen...


Tugendhaft erklärte ich mich bereit als erster "auf links" zu fahren. Viel blieb uns auch nicht übrig, da neben mir nur Frode erlaubt war ("only Frode was allowed"; ja mit der Sprache gehts schon los...) zu fahren. Ehrlich gesagt stellte ich mich ganz gut an. (Was wirklich am Linksverkehr hilft, ist dass man auf der rechten Seite sitzt. Sobald man also nicht mehr in der Fahrbahnmitte sitzt, ist irgendwas verkehrt...)

Das einzige Problem das ich hatte war, wenn ich kurzfristig abbiegen musste, um beispielsweise Burger oder Kaffee zu kaufen. Das Abbiegen war nicht das Problem dabei, sondern, dass ich stets den Scheibenwischer mit dem Blinker vertauschte. Auf diese Weise sorgte ich jedoch jedes mal für super Stimmung im Auto und bekam dumme Sprüche zu hören. ;-)


Unsere erstes Ziel auf unserem Trip war Ulladulla, ca. 250 km südlich von Sydney. Wie zu erwarten war, war es relativ schwer einen Campingplatz zu finden. Nach ca. einer Stunde hatten wir endlich Glück und fanden einen Campingplatz, der sich im Nachhinein als wirklich überteuert rausstellte. Glücklicherweise gab es einen Busshuttle zum nächstgelegenen "Club" "Ex-Servos", dieser riesige Laden mit Restaurants, "Daddelhalle", Sportwetten und live "Bingo" erinnerte eher an das Unterhaltungsprogramm eines Kreuzfahrtschiffes, zu dem sämtliche Personen zwischen 18 und 88 aus dem Umkreis von 100km kamen, um sich zu betrinken. Wir hatten dennoch Spaß.


Am nächsten Tag, nachdem wir einige Zwischenstops an traumhaften, einsamen Stränden eingelegt hatten und zudem einen Koffer-Klapptisch für ca. € 15,- erstanden hatten, schlugen wir unser Zelt in einem Ort namens Eden auf. Nach kurzem Photoshooting mit unserem Auto machten wir uns auf den Weg an den Strand, obwohl es bereits dunkel war. Zu unserer Verwunderung standen ziemlich viele Angler am Strand. Da wir mehrfach davon gehört hatten, dass Haie besonders gerne in der Dämmerung fressen, gingen wir nur bis zur Hüfte ins Wasser und beschränkten uns zum größten Teil auf unser Feierabend-Bier und verrückten Handständen am Strand. Am nächsten Tag las uns Frode aus einem Reiseführer vor, dass Eden besonders dafür bekannt ist, dass Haie ziemlich Nah ans Ufer kommen. Puh, Glück gehabt.

Später am Abend hatten wir noch ein nettes BBQ oder Barbie, wie die Aussies sagen, und unterhielten uns mit ein paar Australiern.


Am nächsten Tag fuhren wir eine ziemlich lange Strecke und kamen so abends kurz vor Melbourne in Warragul an. Da ich nur einen Sommerschlafsack mit hatte, wäre ich in der Nacht fast erfroren... Wenn der Wind direkt vom Südpol kommt, kann es in Melbourne nachts ohne Sonne ganz schön kalt werden. Frode und ich machten uns also dafür stark von nun an in Hostels zu übernachten.


Am Ostermontag kamen wir dann schließlich kurz vor der Great Ocean Road in Torquay an. Glücklicherweise fanden wir eine nette Unterkunft, was wirklich großes Glück war! Am nahegelegenen Bells Beach fanden über Ostern nämlich die Surf Weltmeisterschaften statt, wo wir am nächsten Tag unseren ersten Stop einlegen wollten.


Für ca. € 2,50 bekamen wir am nächsten Morgen eine Studenten-Tageskarte für den Surf Weltcup (wo gibt es das schon in Deutschland??). Glücklicherweise war es mal wieder perfektes Timing und wir konnten mit angucken, wie der neunmalige Weltmeister Kelly Slater von einem "Local Guy" aus dem Woldcup geschmissen wurde. - So perfekte Wellen habe ich noch nie in meinem Leben gesehen...


Nach ca. einer Stunde ging es dann weiter auf die berühmte Great Ocean Road, die ca. 250 km direkt an der Küste entlang geht und von Soldaten nach dem ersten Weltkrieg gebaut wurde, um den Heimkommenden einen Job zu verschaffen. Glücklicherweise war ich mal wieder mit dem Fahren dran und durfte so die schönste Straße, die ich jemals gesehen habe, fahren.


Abends stiegen wir dann in einem Hostel in Apollo Bay ab und hatten erneut ein nettes Barbie und haben mit ein paar anderen Backpackern "geschnackt" und Filme geguckt.


Am nächsten Tag fuhren wir dann in den Regenwald, um einen "Roof-Top-Walk" zu machen und uns den Wald von Oben anzugucken. Danach ging es an die wichtigsten Spots der Great Ocean Road. Glücklicherweise hörte der Regen immer dann auf, wenn wir aus dem Auto ausstiegen. Nachdem wir uns die Gibson Steps angeschaut hatten, gings zu den berühmten 12-Aposteln, von denen mittlerweile nur noch acht Felsen vor der Küste übrig sind. Danach ging es über Loch Ard Gorge, wo Anfang des 19 Jahrhunderts ein Schiff verunglückte, zur London Arch. Bis 1990 war die London Arch über einen Felsbogen mit dem Festland verbunden und wurde aufgrund des Aussehens London Bridge genannt. Als die "Brücke" am 15. Januar 1990 unerwartet einstürzte, befanden sich zwei Touristen auf dem Felsbogen und konnten sich gerade noch auf den Felsen retten, bevor sie von einem Hubschrauber geborgen worden...


Glücklicherweise hatten wir unser nächstes Hostel in Warnambool ausnahmsweise bereits im voraus gebucht und waren somit nicht in Eile. Aus diesem Grund fuhren wir weiter bis nach Port Fairy und machten später auf dem Rückweg nach Warnambool halt an einem alten Vulkan, den uns der Herbergsvater in Apollo Bay empfohlen hatte. Bevor wir, wie so oft, ein paar Sonnenuntergangsfotos machten, gingen wir mit den vielen Kangaroos auf Tuchfühlung und machten einige Fotos. Glücklicherweise entschieden sie sich ehr von uns weg zu hoppeln, als uns anzugreifen.


Abends im Hostel gab es noch eine nette Wildlifeshow, bei der wir Gelegenheit hatten uns Schlagen umzuhängen oder Koalas in den Arm zu nehmen. Ich hatte noch nie so ein kuscheliges Kuscheltier im Arm. :-D


Am nächsten Tag fuhren wir über den langweiligen Highway zurück nach Geelong, wo Frode einen Zug zurück nach Melbourne nahm, um seine Freundin vor Ihrer Abreise zu treffen. Geelong ist nicht wirklich erwähnenswert, da unter der Woche fast alles geschlossen hat. Die letzte Nacht konnte ich glücklicherweise bei Alex in Melbourne verbringen und wir zeigten den anderen das melbourner Nachtleben. Nach unserem Rückflug am Samstag Abend hieß es dann die Hausarbeiten fertig zu stellen und für die Midsemester-Exam zu lernen. Beides verlief einigermaßen erfolgreich! Auf jeden Fall freue ich mich schon jetzt auf den Abschlussroadtrip mit Alex hoch nach Cairns...




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